THE MAD HATTER

THE MAD HATTER

Hüte mit Charakter: Hat Maker Nick Fouquet

VON ANJA FAHS

(Veröffentlicht in Das Produktkulturmagazin Ausgabe 2 2014)

Hutmacher – das hört sich ein wenig altmodisch an, gibt es doch diesen Handwerksberuf heutzutage nicht mehr an jeder Ecke. Trifft man aber Nick Fouquet und besucht ihn in seinem verwunschenen Atelier im kalifornischen Venice Beach, ist altmodisch wohl nicht die passende Bezeichnung... 

Seine Werkstatt liegt am historischen Abbot Kinney Boulevard und man muss schon einige Zeit suchen, bis man sie in der rückseitigen Garage des „Left.House“ findet, eines Multibrand Store, wo einige lokale Künstler und Designer ihre Produkte anbieten. 

Nick Fouquet und sein Team kreieren mit reiner Handwerkskunst ganz erstaunliche Hüte. Was sie von anderen Hüten unterscheidet, sind die äußerst unkonventionellen Methoden, mit denen sie bearbeitet werden. Da wird beispielsweise ein Hut liebevoll von Hand bemalt oder abgeflammt, manche sogar für Sekunden richtig angezündet. Bis sie seinen typischen und einzigartigen Look haben. So einzigartig, dass sie auch Madonna und Pharrell ins Auge fielen. Beide trugen seine individuell gefertigten Hüte bei ihrem Auftritt auf der diesjährigen Grammy-Verleihung. Am liebsten jedoch würde Nick Fouquet einen Hut für Keith Richards fertigen und wir sind uns sicher, dass das nicht mehr lange dauern wird. 

„Ein Hut ist dein Seelenverwandter“, sagt Nick Fouquet. „Und den richtigen zu finden ist genau wie Dating.“ Wir würden jedenfalls gerne jeden von Nick Fouquets Hüten daten und sprechen mit ihm über seine Passion.

Wie kamen Sie dazu, Hüte zu fertigen?

Nick Fouquet: Ich habe 2010 angefangen, Hüte zu fertigen, aber ehrlich gesagt haben die Hüte eher mich gefunden! Vorher habe ich für diverse Designer gearbeitet, um meinen persönlichen Stil zu entwickeln, und die Hutmacherei habe ich dann von einem Cowboy gelernt. 

Wie haben Sie daraus die Marke Nick Fouquet gemacht? Was ist das Besondere an Ihren Hüten?

N. F.: Ich habe es Tag für Tag aufgebaut, es ist darum einfach eine persönliche Erweiterung von mir selbst. Natürlich hat es seine Zeit gebraucht, um einige Dinge wirklich richtig auf die Reihe zu bekommen. Aber ich denke, das Spezielle an meinen Hüten ist, dass sie einmalig sind und kein Massenprodukt. Jeder Hut hat seinen ganz eigenen Charakter. Selbst wenn jemand einen Hut bestellt, der genauso aussehen soll wie ein Modell, das er in meiner Kollektion gesehen hat, wird er am Ende doch ein wenig anders und somit einzigartig sein.

Wenn wir uns die Geschichte der Hüte und vor allem deren lange Tradition anschauen – was bedeutet dies für Ihre Arbeit und für Sie selbst als „Hutmacher“ und Künstler? 

N. F.: Ich denke, das Wichtigste ist, sein eigenes Ding zu machen und nicht irgendwen zu kopieren. Nur so kann man sich von Grund auf richtig entwickeln und authentisch werden. Und dabei vor allem die Künstler zu respektieren, die all diese großartigen klassischen Stile und Formen kreiert und unserem Handwerk zu seiner großen Bedeutung verholfen haben. 

Woher kommt Ihre Kreativität, was inspiriert Sie? Und wie viel von Ihrer eigenen Persönlichkeit findet sich in Ihren Hüten wieder?

N. F.: Meine Kreativität und Inspiration kommt hauptsächlich durchs Reisen und durch Musik. Es ist unglaublich viel von meiner Persönlichkeit in diesen Hüten – wie ich schon sagte, hat jeder Hut seinen eigenen Charakter. Dieser Charakter wird geprägt durch meine jeweilige Stimmung und was mich gerade beeinflusst, wenn ich einen Hut mache. Tolle Wellen am Strand, lange Tage, Kunstausstellungen, ein gutes Buch, neue Musik ... Was immer gerade mit mir passiert, beeinflusst auch, wie ich einen Hut entwerfe und fertige.  

Gibt es eine Persönlichkeit oder einen Künstler, der Sie inspiriert?

N. F. Es gibt eine ganze Menge Dinge, die mich inspirieren, und die kommen aus den unterschiedlichsten Medien und Personen. Keith Richards ist eine große Inspiration für mich. Otis Redding, Ralph Lauren, meine Freunde, meine Kunden, irgendjemand, der gerade die Straße entlang läuft und einen super Style hat ... Das Leben ist einfach eine der größten Inspirationen überhaupt, denke ich. 

Aus welchem Material sind Ihre Hüte? Womit arbeiten Sie am liebsten?

N. F.: Ich verwende zu 100 Prozent nachhaltig hergestellten Biberfilz und manchmal Kaninchenfilz. Und ich verwende Stroh, das ich auf meinen Reisen nach Südamerika beziehe. 

Beschreiben Sie uns doch bitte den Prozess, wie ein maßgeschneideter Hut angefertigt wird. 

N. F.: Oh, das könnte ich machen, aber wissen Sie, danach müsste ich Sie leider töten ... Spaß beiseite, es ist eine Menge harter Arbeit, viel Dampf, und die Form des Hutes muss sehr langsam herausgearbeitet werden. Jeder Schritt ist ausschließlich reine Handarbeit.

Wie lange dauert es, einen Hut zu machen?  

N. F.: Das kann ein paar Tage oder eine ganze Woche dauern, es hängt von den Details des Hutes ab.  

Sind Sie der Meinung, dass einen Hut zu tragen auch ein persönliches Statement ist? Welches ist es für Sie?  

N. F.: Ja, selbstverständlich ist es ein persönliches Statement. Ich denke, es ist eine Erweiterung der eigenen Persönlichkeit.

Tragen Sie immer einen Hut?  

N. F.: Nun, nicht immer, aber ziemlich oft. 

Nennen Sie uns drei Gelegenheiten, bei denen ein Mann einen Hut tragen sollte.   

N. F.: Auf einer Beerdigung, bei einer Geburt und im Regen. 

Und drei Gelegenheiten für eine Frau?   

N. F.: Zu einem Date, in der Sonne und auf Events. 

Was war der extravaganteste Hut, den sie jemals gemacht haben, und für wen?   

N. F.: Das war ein wirklich total verrückter Zylinder für eine Dame, die zum „Burning Man Festival“ in der Wüste von Nevada ging. Er war fast eineinhalb Fuß hoch und sah sensationell aus.

Für wen würden Sie gerne mal einen Hut entwerfen?    

N. F.: Für Keith Richards, keine Frage!

Wenn Sie nicht Hutmacher wären, welchen Beruf würden Sie stattdessen ausüben wollen?   

N. F.: Ich wäre gerne Fotograf für das Magazin National Geographic.

Wenn Sie nicht in Venice, Kalifornien, leben und arbeiten würden – wo würden Sie gerne leben und Hüte zaubern?    

N. F.: Ich glaube, ich würde sehr gerne in Marokko oder in Frankreich leben und arbeiten.

Sagen Sie uns noch, wie man einen Hut am besten tragen sollte?    

N. F.: Am besten trägt man ihn mit Selbstvertrauen!

nickfouquet.com

Picture credits © Nick Fouquet


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