Vernetztes Trainieren

VON CLAUDIA PELZER

(Veröffentlicht in Das Produktkulturmagazin Ausgabe 2 2014)

Die neuen Gerätelinien für Fitness-Studios sind komplett digital ausgestattet. Dabei setzen sie auf Entertainment und Social-Media-Elemente, personalisierte Nutzerprofile und Gamification-Ansätze, die den Trainierenden unter anderem anzeigen, wie viel Energie sie mit ihrer Trainingseinheit erzeugen. 

Nerio Alessandri ist ein Visionär auf seinem Gebiet. Der Gründer von Technogym – einem der größten Fitnessgeräte-Hersteller weltweit – experimentierte bereits vor über zehn Jahren mit in die Geräte eingebauten TV-Einheiten. 2009 folgte mit „Visioweb“ die erste Trainingsstation mit Internetzugang, und letztes Jahr wurde auf der internationalen Fitnessmesse FIBO der Launch der „Artis“-Reihe angekündigt, einer voll vernetzen Gerätelinie, auf der sich persönliche Nutzerprofile anlegen und speichern lassen. Damit können Nutzer, egal an welchem Gerät und in welchem Studio einer Kette sie trainieren, auf ihre persönlichen Trainingsbilanzen und Entertainmentprofile (zum Beispiel Bookmarks für Webseiten oder Musik) zugreifen. Der Login erfolgt über den myWellness Key, das eigene Smartphone (via QR-Code oder NFC) oder Eingabe auf dem Touchscreen. Wer der Studio-Atmosphäre ein wenig entfliehen möchte, kann sich auf dem Display auch die bevorzugte Trainingskulisse (Wald, Berge etc.) hinterlegen, die zum Beispiel statt eines Films abgespielt wird.

Die interaktive Konsole „Unity“ ist ein ins Trainingsgerät eingelassener Tablet-PC mit Android-Technologie, dessen Startseite personalisierbar ist, der sich per Touch- bzw. Gestensteuerung bedienen lässt und in dem eine ganze Reihe von Social-Funktionen steckt. Hier kann der Nutzer unter anderem auf seine persönlichen Apps und Social-Media-Zugänge zugreifen. Wer sich gerne mit anderen Clubmitgliedern oder Menschen auf Technogym-Geräten überall auf der Welt messen will, kann an sogenannten Challenges teilnehmen, bei denen die Teilnehmer in verschiedenen Disziplinen gegeneinander antreten und ihre Trainingsbilanz an eine zentrale Highscore-Liste übermitteln. Man kann sich aber auch an seiner eigenen Leistung messen und die Zeit der zuvor beispielsweise mit Runkeeper gelaufenen Strecke nun auf dem Laufband schlagen.

Alle Artis-Geräte sind mit der „MyWellnessCloud“ von Technogym verbunden, welche Benutzerdaten, persönliche Einstellungen und Trainingsbilanzen in einer Datenbank zusammenführt. Das ermöglicht es den Nutzern, von überall auf der Welt über ein Technogym-Trainingsgerät, ihr Smartphone, Tablet oder Computer auf ihr eigenes Fitnessprofil zuzugreifen. Gleichzeitig kann der Nutzer seine Trainingsbilanzen online mit seinem Personal Trainer teilen, damit dieser selbst bei räumlicher Distanz das Training individuell anpassen kann. Das Unternehmen versichert, dass hierbei alle persönlichen Daten absolut vertraulich behandelt werden. Die Studiobetreiber können auf anonymisierte Daten zugreifen und so beispielsweise die Geräteauslastung tracken und ihre Services anpassen.

Zudem verfügen die Geräte über eine eingebaute Webcam und eine vorinstallierte Skype-App, sodass während des Trainings Telefonate und Videochats möglich sind. Über den Appstore können weitere Trainings-Apps (mit schönen Titeln wie „Beat the Meal“ oder „Burn Out“) oder auch Spiele auf die Geräte heruntergeladen werden. Anhand des Logins erkennt das System unter anderem, ob es sich um einen Premium-Kundenaccount handelt und Zusatzfunktionen und Informationen freigeschaltet werden sollen. Weitere Gadgets aus der Reihe sind der „MyWellnessKey“, ein Schrittzähler, oder „Wearable“, der die Mobilität bzw. Beschleunigung des Trägers misst und ihn damit auch außerhalb des Studios sogenannte „Move-Punkte“ sammeln lässt, die später seinem Trainingskonto zugeschrieben werden.

Wird im Studio trainiert, können einige Cardio-Geräte der „Artis“-Linie dem Nutzer sogar die Menge an Energie anzeigen, die er gerade beim Radfahren oder auf dem Cross-trainer erzeugt und die genutzt wird, um die geräteeigenen Displays zu betreiben. Überschüssige Energie kann darüber hinaus sogar ins Stromnetz eingespeist (Energy-Harvesting-Technologie) oder für die Versorgung des Studios genutzt werden. Die neue Gerätegeneration stellt damit ein komplettes Trainings-Ecosystem dar, das Self-Tracking und Personalisierung mit stationären Displays verbindet und den Nutzern zudem noch ein Gefühl dafür vermittelt, welchen Energie-Output sie mit ihrem Training geschaffen haben. 

Technogym ist weltweit einer der führenden Anbieter in der Wellness- und Fitnessbranche und stattet mehr als 65.000 Wellness-Center und über 100.000 Privathaushalte mit Kraft- und Cardio-Geräten aus. Dabei verfolgt das italienische Unternehmen mit Sitz in Casena einen ganzheitlichen Ansatz und das Leitbild „mens sana in corpore sano“ (ein gesunder Geist in einem gesunden Körper). Das Produktdesign brachte Firmengründer Antonio Zitterig bereits dieses Jahr vier Red Dot Design Awards ein. Daneben noch weitere Preise wie den begehrten iF design award und 2013 den Good Design Award.

CLAUDIA PELZER

Claudia Pelzer ist Medien-Ökonomin, Bloggerin (crowdsourcingblog.de), Autorin und promoviert zum Thema „neue Arbeitsformen für Kreativarbeiter“. Sie berät Konzerne und Agenturen bei der strategischen Umsetzung von kollaborativen Arbeits- und Geschäftsmodellen sowie Open-Innovation-Ansätzen und baut derzeit das UFA lab (ufa-lab.com) in Köln auf. 

technogym.com

fibo.de

Picture credits © technogym


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