EIN AFFE IM SCHWARZWALD

EIN AFFE IM SCHWARZWALD

Der beste Gin der Welt kommt aus dem Schwarzwald

VON ANJA FAHS

(Veröffentlicht in Das Produktkulturmagazin Ausgabe 2 2014)

Ein Gin aus Deutschland? Noch dazu aus dem Schwarzwald, der seit jeher doch eher für Obstwässerchen und Kuckucksuhren steht als für das britische Nationalgetränk? Verantwortlich dafür ist Wing Commander Montgomery „Monty“ Collins – Angehöriger der Royal Air Force, Uhrenliebhaber, Cricket-Enthusiast und Weltenbummler.

Im Juli 1945, nach Kriegsende, wurde Commander Collins in den britischen Teil der Viersektorenstadt Berlin versetzt, denn er sprach Deutsch. Er war vom Ausmaß der Zerstörung der Hauptstadt zutiefst bewegt und beschloss deshalb, den Wiederaufbau Deutschlands auch persönlich in seiner Freizeit zu unterstützen. Er engagierte sich fortan für die Wiederherstellung des Berliner Zoos und übernahm die Patenschaft für einen Javaner Affen namens Max. 

1951 schied Montgomery Collins aus der Royal Air Force aus. Von seinem Wunsch getrieben, das Uhrmacherhandwerk zu erlernen, zog Collins in den nördlichen Schwarzwald. Diese Leidenschaft sollte jedoch nicht lange währen, denn Collins erwies sich für die Uhrmacherei als eher untauglich. Doch an skurrilen Interessen reich ausgestattet, eröffnete er stattdessen einen Landgasthof, den er im Andenken an sein tierisches Patenkind „Zum wilden Affen“ nannte. 

Als britischer Gentleman und Jungwirt war Collins nicht gewillt, auf bewährte Traditionen des Empires und auf ein gutes Glas Gin zu verzichten. So begann er, sich mit der Herstellung dieses englischen Nationalgetränks zu beschäftigen. Wacholder, auch für die Herstellung des berühmten Schwarzwälder Schinkens ein Muss, war ebenso reichlich vorhanden wie reines Quellwasser und eine Vielzahl spezieller Kräuter und pflanzlicher Zutaten. Die natürliche und regionale Basis war also gegeben, auf der Montgomery Collins seine einzigartige Schwarzwälder Ginrezeptur entwickeln konnte. 

Irgendwann zu Beginn der Sechzigerjahre verliert sich Collins’ Spur – bis um die Jahrtausendwende bei Renovierungsarbeiten eines Landgasthofes eine schwere alte Holzkiste entdeckt wurde. Ihr Inhalt? Eine Flasche und ein Brief. Die verstaubte Flasche war von Hand beschriftet und bemalt: Unter der Skizze eines Affen war in schwarzen Lettern zu lesen: „Max the Monkey – Schwarzwald Dry Gin“. Der beiliegende Brief enthielt, neben persönlichen Notizen und Fotografien, eine detaillierte Beschreibung der pflanzlichen Zutaten von Montgomerys Rezeptur.

Seit 2008 hat sich das Unternehmen Black Forest Distillers der exzentrischen und einzigartigen Rezeptur von Montgomery Collins angenommen. Und vom Ergebnis der Destillation eines echten Schwarzwälder Dry Gins sind die Verantwortlichen über die Maßen angetan. „Zum Andenken an Commander Collins und seinen Affen Max sowie wegen der 47 enthaltenen Botanicals haben wir unserem Schwarzwald Dry Gin den Namen „MONKEY 47“ gegeben“, so Geschäftsführer und Inhaber Alexander Stein. 

Die extravagante Rezeptur von Montgomery Collins ist eine waghalsige Kombination aus heimischen Kräutern und Schwarzwaldbeeren einerseits, und exotischen Botanicals aus dem asiatischen Raum andererseits. MONKEY 47 reflektiert eine Biografie, und so wird es den Genießer nicht überraschen, gewohnte Aromen ebenso zu erkennen, wie fremde Gewürze, die zum Beispiel Collins’ Kindheit in Indien zuzuschreiben sind. 

Gut ein Drittel der Zutaten für diesen besonderen Gin stammen aus dem Schwarzwald, wie zum Beispiel Fichtensprossen, Preiselbeeren, Holunderblüten, Schlehen und Brombeerblätter, um nur einige zu nennen. Insgesamt 47 handverlesene pflanzliche Zutaten, angesetzt im extrem weichen Quellwasser der hauseigenen Schwarzwaldquelle, verleihen MONKEY 47 eine unvergleichliche Komplexität und Qualität. Der eigentliche Clou ist die Verwendung einer echten Schwarzwälder „Geheimwaffe“, nämlich frischer Preiselbeeren. Durch eine meisterliche Destillation und die Reifung in traditionellen Steingutgefäßen wird die Güte aller Zutaten voll zur Geltung gebracht. Kein Wunder, dass bereits 2011 die international besetzte Jury der renommierten International Wine & Spirits Competition Monkey 47 mit der Auszeichnung „Gold Best in Class“ in der Kategorie „Gin Worldwide“ zum besten Gin der Welt kürte.

Master Distiller Christoph Keller ist damit aber noch nicht zufrieden. Getrieben von botanischer Neugierde und dem Faible für das besondere Destillat, begibt er sich jährlich auf die Suche nach der sogenannten „Specie Rara“, einer ganz besonderen Zutat, die jeweils einen einzigartigen „Monkey 47 – Distiller’s Cut“ Schwarzwald Gin möglich macht. Eine Edition von nur 3.000 Flaschen gibt es davon jährlich und bei seinem Anblick schlagen die Herzen der Barkeeper und Gin-Enthusiasten höher. 

Im Jahr 2013 bestand diese „Specie Rara“ beispielsweise aus den frischen Sprossen einer regionalen Fichte, der Picea abies. Diese „Maiwipfel“ zeigen besondere sensorischen Eigenschaften. Darunter Aromen von jungem Harz, einen subtilen Hauch von Zitrusnoten, kräftig-erdige Noten des Waldbodens gepaart mit der Frische grüner Fichtennadeln – das ist der Grund der Begierde für Christoph Keller. 

Nach der behutsamen Ernte von Hand werden die Fichtensprossen in einem Rohdestillat des Monkey 47 angesetzt und anschließend durch eine Auswahl der bekannten 47 Botanicals ergänzt. Der britischen Tradition entsprechend wird nach 36 Stunden warm mazeriert und anschließend schonend destilliert. Das Resultat ist ein wahrer Monkey 47 – nur eben ein ganz anderer! Er zeigt eine einzigartige Komplexität, pfeffrige Würze, zarte Zitrus- und Harznoten. Ein geschmackliches Feuerwerk für alle, die sich bei einem Gin im Glas auf ein sensorisches Erlebnis freuen.

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monkey47.com

Picture credits © berndkammerer.de


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