DIGITALER FRÜHLING

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In Heidelberg und Siegen
wächst eine Business-Partnerschaft

VON STEFAN HAMACHER

(Veröffentlicht in Das Produktkulturmagazin Ausgabe 1 2014)

Im olympischen Sotschi reckt sich der deutsche Kader nach Medaillen, während wir immer noch auf den Winter warten. Doch auch ohne die weiße Pracht streben aktuell zwei Unternehmen aus Siegen und Heidelberg mit einer Business-Partnerschaft im Bereich des Multi-Channel-Publishing dem Frühling entgegen. 

Für Kunden aus der vielfältigen Medienlandschaft der Werbetreibenden soll mit der Beteiligung der Heidelberger Druckmaschinen AG (Heidelberg) am Softwareunternehmen NEO 7 eine Basis für den expandierenden Markt des Multi-Channel-Publishing geschaffen werden. Wir leben im Medienzeitalter der vernetzten Dienstleistungen rund um den Kunden. Jedes Unternehmen muss daher seine Dienstleistungen generell – und in diesem Fall im Medien- und Printbereich – dahingehend überprüfen, ob die eigene Leistung den Kundenerwartungen standhält oder sie sogar übertrifft. Daher wurde die Medienbranche hellhörig, als letztes Jahr im November die Heidelberger Druckmaschine AG, ein wichtiger Anbieter und Partner für die globale Druckindustrie, bekannt gab, sich an NEO7, einem Multi-Channel-Publishing-Spezialisten aus Siegen, zu beteiligen. Mit der Investition in das Medienproduktionssystem NEOzenzai will Heidelberg zukünftig im prosperierenden Markt des Multi-Channel-Publishing mitmischen. Allerdings hat Multi-Channel-Publishing in der Vergangenheit nicht unbedingt die Ergebnisse gebracht, die sich Unternehmen und Investoren gewünscht hätten. Warum dies bei Heidelberg und NEO7 anders gesehen wird und wo die Ziele und Perspektiven liegen, haben wir Christopher Berti, Leiter Produktmanagement Prinect bei Heidelberg, und Sascha Brandhorst, NEO7-Geschäftsführer, in kleiner Runde gefragt. 

Herr Brandhorst, bedeutet die neue Business-Partnerschaft mit Heidelberg, dass Sie künftig nur noch den Printbereich mit Ihrer Software-Lösung avisieren?

Sascha Brandhorst: Nein, keineswegs. Die neue Business-Partnerschaft mit Heidelberg ist sehr wichtig für uns, da wir gemeinsam mit Heidelberg die Printbranche in einem Umfang abdecken können, wie wir das ohne diesen Partner die nächsten Jahre hätten nicht leisten können. Aus dem branchenübergreifenden Medienproduktionssystem NEOzenzai und der Heidelberger Software Prinect wird in ihrer Verbindung – aus den vor- und nachgelagerten Prozessen der Medienproduktion – eine Art Multitasking-Werkzeug, dass es in diesem Umfang bisher noch nicht gab. Selbstverständlich ist es aber so, dass wir unsere Kunden aus der Finanzwirtschaft, der Industrie, dem Lebensmittel- und Versandhandel sowie Agenturen oder generell Werbetreibende weiterhin mit Innovationen versorgen und die Wachstumschancen in diesen Märkten vollumfänglich nutzen werden.

Herr Berti, worin genau liegt der Vorteil für die Kunden von Heidelberg in der Verbindung der beiden Software-Systeme?

Christopher Berti: Wir können zukünftig für Kunden medienneutrale Publishing-Dienstleistungen in den Bereichen Print, Online und Tablet anbieten. Denn genau hier sehen wir den Markt der Zukunft. Dafür muss man gut aufgestellt sein und besondere Leistungen bieten, die über den reinen Printworkflow hinausgehen. Mit der Integration von NEOzenzai und der engen Verzahnung unseres in der Branche weithin etablierten Druckerei-Workflows Prinect schaffen wir neue Geschäftsoptionen, deren Betonung auf „medienneutral“ liegt.

Und das bedeutet?

S. B.: Im Printbereich muss man heute wesentlich mehr als bedrucktes Papier für Kunden bieten. Die zusätzlichen crossmedialen Dienstleistungen im Leistungsportfolio sind im höchsten Grad zukunftsorientiert und als eine langfristige Strategie überlebenswichtig für die Printbranche. Man sieht seit einigen Jahren deutlich, dass eine Entwicklung vom reinen Druck- hin zum Mediendienstleister stattfindet. Das entsprechendes Medien-Know-how wurde häufig über die Gründung von Agenturen ausgelagert, was den Nachteil hat, das die eigenen Kunden, nämlich unter anderem Agenturen, direkte Konkurrenz befürchten. Genau diesen Ängsten wollen wir mit NEOzenzai, das eine rein medienneutrale Datenhaltung und Datenverarbeitung integriert, entgegentreten.   

Bitte erläutern Sie für uns den Begriff „medienneutral“.

S. B.: Die Medienneutralität in NEOzenzai bezeichnet nichts anderes als die gänzlich neutrale Verarbeitung aller relevanter Datensätze, die unseren Kunden in der Medienproduktion zur Verfügung stehen. Denn nur so lassen sich beispielsweise Kataloge für Print und Online aus einem einzigen Datenbestand entwickeln. Mit unserer Software können somit alle Daten eines Projektes in einem neutralen Format zentral in einer Datenbank gespeichert und auf unterschiedlichen Medienkanälen einheitlich ausgeben werden. Änderungen und Aktualisierungen werden nur an einer Stelle des Medienproduktionssystems vorgenommen, was wiederum die Voraussetzung für ein effizientes und kostengünstiges Multi-Channel-Publishing darstellt.

Welche Vorteile sieht man bei Heidelberg und wie steht es mit den Verkaufschancen? 

c. b.: Wir sehen großes Interesse im deutschsprachigen Markt wie auch in den USA, bei nahezu allen Kunden, die wir angesprochen haben. Der Bedarf an stärkerer Kundenanbindung, Geschäftsfelderweiterung und an der Verschlankung von Prozessen ist enorm. Daher betrachten wir das Investment in das Medienproduktionssystem NEOzenzai als wichtigen Schritt, das Angebot für die Kunden zu erweitern. Um konkret zu werden: In Summe schätzt Heidelberg das eigene Umsatzpotenzial im Digitalgeschäft, bestehend aus Druckmaschinen, Verbrauchsmaterialien und Software, innerhalb der nächsten drei Jahre auf jährlich rund 200 Mio. Euro. Dazu sollen auch Prinect und NEOzenzai einen nennenswerten Beitrag leisten.

Und wie schaut die Vertriebsstrategie dahinter aus?

C. B.: Der Vertrieb in der Printmedien-Industrie soll durch die Heidelberg-Beteiligung an NEO7 ausgebaut werden. Dazu wird Heidelberg ab sofort schrittweise mit der internationalen Einführung des bestehenden Portfolios von NEO7 inklusive der Anbindung an die eigene Software Prinect beginnen. NEO7 vertreibt außerhalb der Druckindustrie NEOzenzai selbst. Der Vertrieb von NEOzenzai innerhalb der Druckindustrie wird von unseren Heidelberg-Niederlassungen und Heidelberg-Partnern übernommen. NEO7 wird darüber hinaus den bestehenden Kundenstamm mit den bekannten Ansprechpartnern unterstützen. Digital und Software werden in einem Geschäftsbereich zusammengeführt.  

Ein letztes Statement zum Abschluss. Herr Brandhorst bitte.

S. B.: Durch die Partnerschaft mit Heidelberg und die hohe Fachkompetenz des Heidelberg-Teams können wir NEOzenzai im Rahmen einer durchgängigen, passgenauen Lösung für die Kundenpraxis anbieten. Davon profitieren alle.

Ein letztes Statement zum Abschluss. Herr Berti bitte.

C. B.: Durch die Anbindung von NEOzenzai an unsere Software Prinect können wir unseren Kunden ein maßgeschneidertes Hard- und Softwarepaket schnüren, welches die Vorteile eines durchgängigen Produktionsworkflows mit einer intelligenten und flexiblen Lösung für die Medienproduktion vereint.

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Picture credits © Lucia Dauer


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