BLÄTTERWERK

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Multitalent Katalog in Zeiten der Digitalisierung

VON LARA VIRIOT

(Veröffentlicht in Das Produktkulturmagazin Ausgabe 4 2018)

Er ist das älteste aller Kommunikationsmedien für Produktinformationen und trotz der unvergleichlichen Entwicklung des Internets und den damit einhergehenden disruptiven Veränderungen für Unternehmen noch immer putzmunter. Oft totgesagt, aber immer wieder auferstanden, findet der Katalog nach wie vor seinen Platz im Marketingmix unterschiedlichster Unternehmen. Jochen Janke beschäftigt sich seit 20 Jahren mit Katalogen und spricht mit uns über den Wandel und die Zukunft des Mediums.

Herr Janke, es gab Zeiten, in denen der Katalog das Aushängeschild der Firmen war. Mit Aufkommen des Internets änderte sich das schlagartig – wofür steht der Katalog heute?

Der Katalog ist ein sehr interessantes Medium mit ganz besonderen Eigenheiten. Er liefert Produktinformationen so komprimiert, wie es kaum ein anderes Medium kann. Dazu bedarf es allerdings Menschen, die diesem Medium den Spirit einhauchen, damit aus einer bebilderten Preisliste ein informatives und bestenfalls sogar spannendes Werk wird.

Ist der gedruckte Katalog denn überhaupt noch zeitgemäß?

Unbedingt. In meinem gesamten Berufsleben ist Print und besonders der Katalog schon oft totgesagt worden. Er ist immer wieder zurückgekommen, jedes Mal anders und angepasst an neue Kommunikationsanforderungen. Es bedarf also einer ständigen Weiterentwicklung dieses Mediums, damit der Sender seine Botschaften zum Adressaten bringen kann. Jeder Katalogersteller muss den Weg zu seinen Kunden finden und sich immer wieder fragen: Was wollen meine Kunden wissen?

Was ist Ihrer Meinung nach Grund dafür, dass es dieses Medium noch gibt?

Weil sie immer noch erfolgreich Produkte verkaufen. Der Katalog erfüllt Bedürfnisse, die andere Medien nicht bedienen. Er funktioniert in sich, braucht keine Technik. Man kann ihn sofort nutzen. Da ist kein Akku, der immer dann leer ist, wenn ich das Medium nutzen will. Ich finde beim Blättern Produkte, die ich gar nicht gesucht habe. Ich kann mich inspirieren lassen.

Wie hat sich der Katalog in den vergangenen Jahren verändert?

Der Katalog hat sich an die Schnelllebigkeit unserer Zeit angepasst. Früher wurde ein Katalog erstellt und war für längere Zeit gültig. Die Adressaten haben den Katalog auch aufbewahrt, da es keine weiteren Informationsquellen gab. Er musste möglichst dick sein und alles enthalten. Das ist mindestens im B2C-Umfeld schon länger nicht mehr so, und auch im B2B finden hier bereits Veränderungen statt. Heute sind die Produktentwicklungszyklen viel kürzer, Produkte kommen immer schneller auf den Markt. Daran muss sich der Katalog anpassen. Ein weiterer Aspekt ist die Individualisierung. Viele Anwender wollen nicht über Tausende von Produkten informiert werden, wenn sie nur zehn verwenden.

Inwiefern hat die Digitalisierung Einfluss auf das Printmedium Katalog an sich genommen?

Dass Kataloge tatsächlich gedruckt werden, ist heute schon nicht mehr immer der Fall. Das Drucken ist ein Weg, den Inhalt eines Katalogs zu transportieren. Es gibt Hunderte von Anwendungen, die das Katalogblättern ins Internet bringen. Auch wenn das ein wenig seltsam erscheint, wird damit das Erlebnis eines Katalogs auch in anderen Medien nachvollziehbar. Die Anzahl der Kataloge hat zugenommen, weil der teure und aufwendige Prozess des Druckens entfallen kann. Man muss hier klar zwischen Medium und Transport trennen. Dieser Weg bietet zusätzlich die Möglichkeit, das klassische Medium Katalog mit modernen Elementen wie beispielsweise Video anzureichern. Das geht eben mit Drucken nicht.

Was gibt es bei der Konzeptionierung und Erstellung eines Katalogs zu beachten?

Der Katalog muss Bestandteil der Vertriebsstrategie sein. Er ist auf die Zielgruppe auszurichten. Für die eigentliche Erstellung ist heute ein PIM-System mit Printausleitung zur Aufbereitung der Produktinformationen unerlässlich. Nur so lassen sich Kataloge schnell und kostengünstig erstellen. Wichtig ist auch die Organisation der Produktdatenerstellung. Sie muss Bestandteil der Produktentwicklung sein, damit die Informationen zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung stehen.

Wie sehen Sie die Rolle des Katalogs für die Zukunft?

Der Katalog wird seinen Platz in der Kommunikationsstrategie der Unternehmen behalten. Er wird schneller und individueller ganz dem Zeitgeist folgen. Kommende Präsentationsmedien wie das E-Paper (mit den Eigenschaften von echtem Papier) schaffen neue Möglichkeiten in der Distribution und den Darstellungsmöglichkeiten. Ich glaube, dass sich 500 Jahre Gutenberg nicht auf einen Schlag wegwischen lassen, denn auch die Digital Natives verschließen sich dem Katalog nicht. Sie nutzen ihn nur anders.

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JOCHEN JANKE

Jochen Janke ist Geschäftsführer von MPDigital. MPDigital ist Hersteller der CX30 TOOLBOX, einer Software für individuelle PIM-, DAM- und Cross-Media-Systeme. Er entwickelt seit mehr als 20 Jahren Techniken und Systeme zur Produktkommunikation und hat in vielen Projekten seine Erfahrungen eingebracht.

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Bildrechte © JJ Ying/Unsplash


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